WasteWool

Entwicklung von innovativen, ganzheitlich nachhaltigen Produktanwendungen aus deutscher Wolle


Bei dem Projekt WasteWool geht es um die Nutzbarmachung der wertvollen, aber weitgehend brachliegenden Ressource Schafwolle, zunächst - im Rahmen des von der SAB geförderten Projektes – für in Sachsen anfallende Wolle, mit Aussicht auf einen bundesweiten Roll-out. Ziel des Projektes ist es, Produktapplikationen für vernachlässigte, sächsische Grobwollqualitäten zu identifizieren und zu entwickeln und regionale Wertschöpfungsketten zu fördern und aufzubauen. Dies soll letztlich dazu führen, dass Schafhaltung unter wirtschaftlichen Aspekten wieder interessanter wird und damit dem kontinuierlichen Rückgang der Schafbestände Einhalt geboten werden kann.



Das ist nicht nur für die Wirtschaft Sachsens ein wichtiges Thema, sondern auch für Artenschutz und Biodiversität, da Schafe in Sachsen überwiegend für die Landschaftspflege eingesetzt werden. Bei Züchtung und Haltung spielen weder Wollqualität noch Volumen eine Rolle. Der Ertrag sächsischer Schafhalter setzt sich zusammen aus Verkaufserlösen für Lammfleisch und den für die Landschaftspflege erzielten Umsätzen.


Der Fokus auf Fleischerzeugung hat jedoch in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass die Wollqualität bei Züchtung und Haltung keine Rolle mehr gespielt hat. Die Wollqualität hat sich damit immer weiter verschlechtert, was zu stark gesunkenen Erlösen für Rohwolle und einer wirtschaftlichen Entwertung dieses Rohstoffes geführt hat. Die heute bei sächsischen Schafen anfallende Grob-Wolle ist mit wenigen Ausnahmen für klassische textile Anwendungen nicht mehr geeignet und hat damit dem schleichenden Kollaps des deutschen Wollmarktes Vorschub geleistet.


Konnten vor 3 - 4 Jahren noch ca. 1 € pro kg Rohwolle erzielt werden, sind es heute 0,25 € und weniger also zwischen 0,75 und 1,00 €/ Tier. Damit sind noch nicht einmal die Schurkosten zu decken, die heute bei 2 – 10 € / Tier (je nach Herdengröße) liegen. Damit ist die jährliche Schur zu einem substantiellen Kostenfaktor geworden, der Schafhalter durch maximale Effizienz bei der Schur zu begegnen versuchen. Es wird auf jegliche Sortierung der Wolle bei der Schur verzichtet, was bei den Wollaufkäufern den Sortieraufwand erhöht und damit den Preis für die Rohwolle weiter drückt – ein Teufelskreislauf.


Im Rahmen des Projektes geht es zunächst darum zu eruieren, welche Wollqualitäten in welchen Volumina, wo in Sachsen anfallen – eine Herkulesaufgabe! Es gibt anstelle der in der offiziellen Statistik für 2021 aufgeführten 58.300 Tiere mehr als das Doppelte (116 %) – nämlich 125.700. Der Hintergrund ist, dass das Statistische Bundesamt nur Herden mit mehr als 20 Tieren erfasst, die Tierseuchenkasse dagegen jedes einzelne Tier. Das heißt im Umkehrschluss aber auch, dass die Anzahl der Tierhalter wahrscheinlich mehr als viermal so hoch ist, wie in der offiziellen Statistik angenommen, da die durchschnittliche Herdengröße der nicht erfassten Schafhalter mit unter 20 Tieren deutlich niedriger ist, als die von der Statistik erfassten ca. 460 Schafhaltern mit durchschnittlich 139 Tieren. Da aus Datenschutzgründen weder die Zuchtverbände noch die Tierseuchenkassen, Kontaktdaten der Schafhalter bereitstellen dürfen, gestaltet sich die Erfassung und Kontaktaufnahme als extrem aufwendig.

Wir haben daher mit allen potentiellen Multiplikatoren Kontakt aufgenommen und konnten sowohl die Tierseuchenkasse als auch den Schaf- und Ziegenzuchtverband, das Lehr- und Versuchsgut Köllitzsch und die Bauernzeitung für einen Aufruf zur Projektbeteiligung an alle sächsischen Schafhalter gewinnen, um mit selbigen in Kontakt zu treten. Ferner erfolgte auch eine intensive Internet-Recherche und telefonische Kaltakquise sowie die Kommunikation über Schafscherer und Veterinärmediziner.


Je nach Haltungsform wird in Sachsen entweder Ende des Frühjahres/Frühsommer oder Ende des Jahres ab November geschoren. Im Rahmen der Sommerschur haben wir erste Halter bei der Schur unterstützt und vor Ort effiziente Sortierprozesse erarbeitet und getestet, die zum einen die Qualität der sortierten Wolle deutlich erhöht und damit die Weiterverarbeitung – im 1. Schritt – die Wollwäsche kostengünstiger gestaltet und gleichzeitig den Mehraufwand für die Sortierung bei der Schur möglichst gering hält. Neben der qualitativen Sortierung der Wolle eines einzelnen Tieres in „Dünger“, „Locken“ und „Qualität“ haben wir natürlich auch nach Rasse und innerhalb einer Rasse nach Muttertieren, Lämmern und Haltungsform sortiert, vermessen und bewertet.


Erfreulicherweise konnten wir bereits einige Schafbestände identifizieren, deren Tiere Wollqualitäten unter 25 Mikron liefern und sind damit sogar bei Firmen für klassische textile Anwendungen auf großes Interesse gestoßen. Aber auch für gröbere Wolle mit mehr als 30 Mikron konnten Anwender gefunden werden, die zu Verarbeitungstests mit sächsischer Wolle bereit sind. Dazu gehören Teppichproduzenten, Streichgarnproduzenten, Möbelhersteller, Spielzeugwarenhersteller und Schuhproduzenten und wir sind weiter auf der Suche.



Eine direkte Umsetzung scheitert jedoch derzeit an 2 wesentlichen Punkten.

Zum einen fehlt es an ausreichenden Volumina für dezidierte, ausgewählte homogene Wollqualitäten (Lots), deren Weiterverarbeitung unter wirtschaftlichen Aspekten (Mindestlotgrößen) Sinn machen würde. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Wollqualität selbst innerhalb einer Rasse und Art (also z.B. bei 8 Monatslämmern oder Muttertieren des Merino-Landschafes) stark schwankt. Hierbei spielen unterschiedliche Haltungsformen, Futter, Nahrungsergänzungsmittel, Zeitpunkt der Schur u.v.m. eine nicht zu unterschätzende Rolle.


Darüber hinaus gibt es aufgrund der ungeregelten Züchtung auf Fleischertrag hin oder einfach zum Zwecke der Vermehrung für die Landschaftspflege vor allem in kleineren Herden extrem viele Sonderfälle, die sich nur bedingt einer bestimmten Wollqualität zuordnen lassen.

Dieses Problem werden wir zum Teil im Rahmen des Projektes durch die weitere Gewinnung möglichst vieler Schafhalter lösen. Für eine dauerhafte Etablierung stabiler Wertschöpfungsketten muss das Projekt jedoch auf weitere Bundesländer ausgerollt werden, um die erforderlichen Mindestlotgrößen homogener Wollqualitäten zusammenstellen zu können.


Zum anderen sind es aber die europaweit fehlenden Wollwaschkapazitäten an denen eine sofortige, breite Anwendung der erfassten und klassifizierten Wollmengen scheitert.

Derzeit gibt es in Europa noch 3 Wollwäschereien industriellen Ausmaßes. Die größte davon (Traitex) war vom Hochwasser im letzten Jahr massiv betroffen, sodass die Verarbeitungskapazität deutlich eingeschränkt worden ist. Derzeit sind die Auftragsbücher für die nächsten 18 – 24 Monate gefüllt und es werden keine weiteren Aufträge angenommen. Aber auch die übrigen beiden Wollwäschereien sind massiv ausgelastet und nehmen keine neuen Kunden und Aufträge mehr an.

Daher beschränken wir uns bei der Suche nach Anwendungen für gewaschene sächsische Wolle auf Testmengen, um die grundsätzliche Eignung der Wolle für die o.g. Anwendungen zu prüfen und suchen vor allem auch nach Anwendungen für ungewaschene Wolle sowie die Rest-Wolle, die beim Sortieren während der Schur separiert wird (Beinlinge, Bauchwolle, verkotete Teile…). Für diese („Locken“ genannte) Wolle gibt es derzeit überhaupt keinen Markt, sodass sie entweder kostenpflichtig entsorgt wird oder in Kleinstmengen als Düngemittel beim Schafhalter und dessen Umfeld Verwendung findet.

Vor diesem Hintergrund haben wir erste Versuche mit dem STFI zur Verarbeitung ungewaschener, stark verkoteter Wolle gestartet und mittels Kemafil-Technik Stränge produziert, die im Gartenbau, aber auch für Kleingärtner und im Urban Gardening als Wasserspeichermedium und Langzeitdünger Verwendung finden kann. Die Kemafil-Stränge werden im Boden unter der Pflanze eingegraben und reduzieren damit sowohl den Bewässerungsbedarf der Pflanze als auch die Oberflächenverdunstung.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Trockenperioden und der damit zusammenhängenden Reduzierung der Grundwasserreservoirs auch in Deutschland kann dieses Produkt in Zukunft einen wesentlichen Beitrag für eine effizientere Nutzung der Ressource Wasser leisten und ermöglicht durch den Einsatz des biologischen Langzeitdüngers Schafwolle eine Reduzierung der Grundwasser- und Bodenverunreinigung durch synthetische Düngemittelgaben.


In einem Folgeprojekt sollten die Nutzung, ggf. je nach Pflanze eine Anreicherung mit ausgewählten Pflanzennährstoffen, das Feuchterückhaltevermögen, die Einsparung zusätzlicher Düngemittel und Arbeitsschritte und die Effekte auf Pflanzenwachstum und -gesundheit untersucht, sowie die Technik für eine kombinierte Einbringung in den Boden bei gleichzeitiger Pflanzung entwickelt werden.


Nach den urlaubsbedingten Betriebsschließungen werden die ersten Spinnversuche mit gewaschener Wolle bei der Spinnerei Forst gestartet. Und auch die Zwickauer Kammgarnspinnerei hat sich mit ihrem Technikum bereit erklärt, sächsische Wolle testweise zu verarbeiten.


Haben auch Sie Ideen für sächsische Wolle? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme und spannende Gespräche!






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