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Sachsen-Leinen-Wissensquiz - Antworten

Aktualisiert: 29. Juni

Hier finden Sie alle Antworten über Faserpflanzen, Pflanzenfasern, Wolltieren und Tierwolle!


Nach zwei Jahren coronabedingter Abstinenz hat der Ökolöwe Leipzig am 26. Juni 2022 wieder zur Ökofete in den Clara-Zetkin-Park nach Leipzig eingeladen. Auf über 50 Ständen von gemeinnützigen Vereinen und nachhaltig agierenden Unternehmen konnte man sich über ökologische Alternativen der Gestaltung des Lebens informieren. Sachsen-Leinen e.V. war auch dabei und hat über neue Entwicklung bei der Gewinnung und der Verarbeitung nachwachsender Faserstoffe informiert. Auch die Kinder kamen dabei nicht zu kurz und hatten die Möglichkeit, sich von der Gewinnung von Naturfasern aus einem Pflanzenstängel mit einer mitgebrachten Labormaschine faszinieren zu lassen.


Im Rahmen der Ökofete haben wir ein Wissensquiz für interessierte Besucher rund um das Thema Naturfasern entwickelt. Wer bei der Ökofete nicht dabei sein konnte, hatte die Möglichkeit sein Wissen selbst zu testen - siehe Blog-Beitrag vom 27.06.2022. Für alle Teilnehmer des Wissensquiz gibt es hier nun die Antworten.



zu Frage 1

Kannst Du Dir vorstellen, dass man eine Brücke mit Flachsfasern bauen kann?

Antwort: ja


Ein interdisziplinäres Konsortium aus 15 Partnern unter Führung der Technischen Universität Eindhoven hat sich der Herausforderung gestellt, eine Brücke aus Flachsfasern zu bauen und dies in die Realität umgesetzt. Die erste „Smart Circular Bridge“ wurde in Eindhoven in Holland mit einer Spannweite von 15 Metern realisiert. Das Projektteam bestand aus fünf Universitäten, sieben innovativen Unternehmen und drei Städten. Die erste Brücke wurde jetzt auf der internationalen Gartenbauausstellung Floriade in Almere (Niederlande) errichtet und am 22. April dieses Jahres eingeweiht. Zwei weitere "Smart Circular Bridges" für Fußgänger und Radfahrer werden in Ulm (Deutschland) und Bergen op Zoom (Niederlande) in diesem und im kommenden Jahr gebaut.

Neben den zu 100 Prozent natürlichen Flachsfasern wurde auch ein Harz, so weit wie möglich aus nicht-fossilen Quellen, verwendet. Der Anteil des Bioharzes beträgt beim ersten Bauwerk 25 %, doch schon bei der nächsten Brücke soll er auf 60 % steigen – durch den Einsatz von Abfall-Produkten der Bio-Diesel-Herstellung sowie chemisch recycelten PET- Flaschen.

Mit Blick auf die Kreislaufwirtschaft untersucht das Projekt, welche Optionen sich für den Baustoff ergeben, wenn die Brücken nach vielen Jahrzehnten das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben. Derzeit sind drei Möglichkeiten denkbar: mechanisches, chemisches und sogar biologisches Recycling mit Pilzen.

Mehr Informationen rund um die „Smart Circular Bridge“ gibt es hier: https://floriade.com/de/artikel/high-tech-bruecke-mit-flachs-gebaut/



zu Frage 2

Aus welcher Pflanze kann man keine Fasern für die wirtschaftliche Nutzung gewinnen - Flachs, Hanf, Hopfen, Ananas, Banane oder Erdbeere?

Antwort: Erdbeere

Flachs und Hanf sind sehr traditionelle faserliefernde Pflanzen, deren Fasern vielfach in den Kaufhäusern zu finden sind. Der Hopfen ist ein botanischer Verwandter des Hanfes und bildet in den Rinden der langen Hopfenranken ebenfalls verwertbare Fasern, deren Nutzung derzeit erforscht werden. Sowohl die Agaven-Blätter der Ananaspflanze als auch aus den Blattstielen der Bananenpflanze werden nutzbare Fasern gebildet, die für eine industrielle Nutzung geeignet sind. Bei beiden Pflanzen ist eine industrielle Nutzung bekannt.

Dass man aus der Erdbeerpflanze Fasern gewinnt – davon haben wir noch nichts gehört oder gelesen.



zu Frage 3

Was schätzt Du, wie alt die ältesten Funde für Flachsfasern sind, die je gefunden wurden?

Antwort: 28.000 Jahre


In der Nähe einer Höhle in Georgien haben Wissenschaftler die bislang ältesten Spuren von Flachsfasern gefunden. Der mehr als 34.000 Jahre alte Flachs könnte für Fäden, Stoffe, Kleidungsstücke, Schnüre und Körbe verwendet worden sein. Die Leinenfasern sind heute allerdings nicht mehr mit bloßem Auge sichtbar. Wissenschaftler seien darauf gestoßen, als sie Tonproben aus verschiedenen Tiefen der Höhle unter dem Mikroskop untersucht hätten, um Pollen zu analysieren. Dabei entdeckten sie Abdrücke von Leinenfasern, die sich im Laufe der Zeit zersetzt haben. Die bislang ältesten bekannten und real erhaltenen Flachsfasern wurden in einer Ausgrabungsstätte in Tschechien entdeckt und einer Zeit vor rund 28.000 Jahren zugeordnet.



zu Frage 4

Welche Faserpflanze wächst höher - Flachs, Hanf oder Baumwolle?

Antwort: Hanf


Die höchste Faserpflanze von den drei Erwähnten ist der Faserhanf (Canabis Sativa), der eine Wuchshöhe von über 4 Meter erreichen kann. Baumwolle (Gossypium) und Flachs (linum ussitantisimum) sind mit bis zu 1,2 m deutlich kleiner wobei es bei der Baumwolle ja nicht auf die Pflanzengröße ankommt, denn es werden die Fasern genutzt, die die Samenkapseln umgeben.


Dagegen kann Jute (Corchorus capsularis) und Kenaf (Hibiscus cannabinus), die in tropischen und subtropischen Gebieten wachsen, ähnlich hohe Pflanzenlängen wie beim Faserhanf erreichen.

Die Pflanzenlänge ist übrigens nicht mit der Faserlänge zu verwechseln. Beim Hanf beträgt die durchschnittliche Länge der Einzelfaser 25 mm, die in der Pflanze um einen Holzkern liegend zu teilweise bis zu 3 m langen Faserbündeln zusammengeklebt sind.



zu Frage 5

Welches ist die wirtschaftlich wichtigste faserliefernde Pflanze weltweit - Kokos, Baumwolle, Wolle oder Jute?

Antwort: Baumwolle


Die größte wirtschaftliche Bedeutung bei den pflanzlichen und tierischen Naturfasern liegt bei der Baumwolle, die im Umfang von 86,255 Millionen kg jährlich produziert wird.

Den vermeintlichen positiven nachhaltigen Effekten der Naturfaser Baumwolle stehen einige Problematiken gegenüber. Baumwolle braucht sehr viel Wasser für den Anbau und ist damit verantwortlich für die Wasserverknappung in vielen Baumwollanbauregionen. Dazu kommt der hohe Bedarf an Pflanzenschutzmitteln.



zu Frage 6

Angorawolle stammt vom Schaf, der Angoraziege, dem Moschusochsen oder dem Kaninchen?

Antwort: Kaninchen


Angorawolle wird durch die Schur von Kaninchen gewonnen. Das Fell des Angorakaninchens ist umgebildet zu einer ständig nachwachsenden Wolle, die regelmäßig (in Deutschland viermal jährlich) geschoren wird und industriell verarbeitet werden kann. Charakteristisch für die Rasse sind große Haarbüschel an den Ohren. Angorakaninchen existieren in verschiedenen Farbenschlägen, der am meisten verbreitete ist der albinotische, weiße Farbenschlag. Die Langhaarigkeit des Angorakaninchens beruht auf einer Mutation.


Angorakaninchen sind seit etwa 300 Jahren aus England bekannt. Die erste Einfuhr nach Deutschland erfolgte 1777 und deren Zucht wurde in den ersten Jahrzehnten staatlich gefördert und erlangte bis ins 20. Jahrhundert eine gewisse Bedeutung. Zwischen den beiden Weltkriegen ist in Leipzig die Gründung einer Angora-Wollverwertungs GmbH bekannt. Mit dem Aufkommen der Kunstfasern verlor die Angorawolle weiter an Bedeutung und zählt in Deutschland nur noch als Liebhaberei. Im Gegensatz dazu werden in China mehrere tausend Tonnen Angorawolle jährlich produziert.


Viele Angorakaninchen schränkt ihr langes, flauschiges Fell auch stark in ihrem arttypischen Verhalten ein. Je nachdem wie lang das Fell ist, können die Kaninchen nicht richtig hoppeln und fressen und gerade bei denjenigen Tieren, die auch am Kopf die typische Fellstruktur aufweisen, kann die Sicht massiv behindert werden, sodass manche Kaninchen bis zur nächsten Schur praktisch blind sind. Zusätzlich können die Augen durch das Fell ständig gereizt werden, was zu andauernden Bindehautentzündungen führt. Ein Problem ist auch, dass sich im Fell sehr schnell allerhand Schmutz und Einstreu festsetzen kann, was die tägliche Fellpflege durch den Besitzer noch wichtiger macht. Da Angorakaninchen aufgrund ihres Fells vollkommen abhängig vom Menschen sind und nicht ohne dessen Pflege überleben können, sind sie nach dem deutschen Tierschutzgesetz §11b als Qualzuchten zu sehen. Wirtschaftlich hat die Angorawolle heute bei uns keine Bedeutung mehr.



Antwort zu Frage 7

Mohairwolle stammt vom Schaf, der Angoraziege, dem Moschusochsen oder dem Kaninchen?

Antwort: Angoraziege


Die Mohairwolle stammt von der Angoraziege. Die Angoraziege kommt ursprünglich aus der Türkei und ist nach dem historischen Namen der türkischen Hauptstadt Ankara benannt. In der Türkei wird derzeit 8 % der weltweiten Mohairproduktion erzeugt. Südafrika produziert 51 % des weltweiten Mohairs, und zusammen mit Lesotho kommen 67 % des weltweiten Mohairs aus dem südlichen Afrika. 90 % des weltweit produzierten Mohairs wird im Ostkap Südafrikas verarbeitet. Die Angoraziege produziert etwa 3 kg Mohair pro Jahr. Die geschorenen Mohairfasern sind in der Regel zwischen 50 und 150 mm lang. Mohairfasern sind in der Regel zwischen 23 und 40 Mikron fein. Angoraziegen leben normalerweise in Regionen mit heißen, trockenen Sommern, kalten Wintern und Halbwüstenvegetation.

Mohair, das weltweit als Edelfaser bekannt ist, wird wegen seiner exklusiven Eigenschaften wie Glanz, Elastizität und Farbbeständigkeit geschätzt, die der Schlüssel zu seinem Erfolg sind.


Das Scheren ist für das Wohlergehen der Angoraziege unerlässlich, und wenn sie nicht regelmäßig geschoren wird, ist sie anfällig für Parasiten und Krankheiten. Wachsende Haare beeinträchtigen das Sehvermögen und die Bewegungsfähigkeit der Ziegen, was sie am Fressen und Trinken hindern kann, und sie hindern auch die Zicklein am Säugen.

Nach der Schur stellen die Landwirte den Ziegen einen Unterstand zur Verfügung, um sie vor den Elementen zu schützen.


Kleiner Fun Fact: Die berühmte orangefarbene Couch in der Serie Friends ist aus Mohair-Velours gefertigt.

Antwort zu Frage 8

Welches Haar ist dünner/feiner/weicher - Cashmere-Haare oder Menschen-Haare

Antwort: Cashmere-Haar


Das Cashmere Haar ist mit seiner Feinheit zwischen 12 und 19 Mikron (Maß für Faserfeinheit) feiner als das durchschnittliche menschliche Haar mit durchschnittlich 65 Mikron.

Zu Frage 9

In welchem Land leben die meisten Schafe - Australien, China oder Neuseeland?

Antwort: China


Laut der Statistik der International Wool Textile Organisation (IWTO) lebten im Jahr 2021 in China knapp 172 Millionen Schafe. In Australien hingegen nur 68 Millionen und in Neuseeland knapp 26 Millionen. Interessant wird es dann aber mit der Antwort der nächsten Frage.



Zu Frage 10

Welches Land produziert die meiste Schafwolle – Australien, China oder Neuseeland?

Antwort: Australien


Obwohl China die weitaus größere Anzahl an Schafen hat, so produziert sie nicht den größten Anteil an Schafwolle. Laut der Statistik der IWTO, produzierte Australien im Jahr 2021 insgesamt 356.745 Tonnen Schweißwolle, wovon im gewaschenen Zustand 227.960 Tonnen Wolle übrig bleiben.

China produzierte 332.293 Tonnen Schweißwolle, folgt also dichtauf Australien. Allerdings bleiben davon in gewaschenem Zustand nur 139.563 Tonnen übrig. Neuseeland produziert 133.100 Tonnen Schweißwolle und davon bleiben 97.363 Tonnen gewaschene Wolle übrig.


Was ist nun der Unterschied zwischen Schweißwolle und gewaschener Wolle? Die Schweißwolle ist die Wolle wie sie direkt vom Schaf geschoren wird und beinhaltet noch Wollfett, auch als Lanolin bekannt, sowie Dreck, Grashalme, Samen etc. Also alles, was auf der Wiese so zu finden ist. Um das Wollfett und alles Sonstige zu entfernen, wird die Wolle in heißem Wasser und Seife gewaschen. Das Lanolin wird für die Kosmetik- und Pharmaindustrie aufgefangen. Der Dreck wird als Düngemittel weiterverwendet. Am Ende bleibt die schöne gewaschene Wolle, die dann zu Garn oder anderen Produkten weiterverarbeitet wird.


Warum ist der Ertrag der australischen und neuseeländischen Wolle größer als der chinesischen? In Australien und Neuseeland legen die meisten Landwirte einen großen Fokus auf die Wollproduktion, in China hingegen, liegt der Fokus mehr auf die Fleischproduktion und weniger auf die Wolle und deren Qualität.

Zu Frage 11

Wie groß ist der Anteil der Naturfasern am Weltmarkt aller Fasern in Prozent?

Antwort: 29,9%


Synthetische Fasern haben einen Weltmarktanteil von 70,1%. Rechnet man die Cellulosefasern zu den Naturfasern hinzu, so haben sie einen Anteil der restlichen 29,9%.

Die größte Naturfaser ist davon die Baumwolle mit 21,5%, gefolgt von den Zellulosefasern mit 6,4%. Die restlichen 2% teilen sich alle restlichen Naturfasern wie Wolle, Seide, Flachs, Hanf, Mohair etc..

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