Was für ein Jahr!
- kaykoelzig
- vor 2 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
In der inzwischen 32-jährigen Geschichte von SachsenLeinen e.V. können wir uns kaum an ein Jahr erinnern, das von so viel Aktivität, Engagement und Zusammenarbeit geprägt war - mit unseren Vereinsmitgliedern ebenso wie mit zahlreichen unternehmerischen Partnern.
Auch in Mitteldeutschland insgesamt bewegt sich spürbar etwas im Bereich der Naturfasern. Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass wir diese Branche wieder auf ein Niveau entwickeln können, das sie hier schon einmal hatte- wenn auch vor mehr als 50 Jahren.
Gleichzeitig zeigt uns die Naturfaserindustrie sehr deutlich, wie schwierig es ist, einmal verlorenes Know-how und zerstörte Wertschöpfungsketten wieder aufzubauen. Auch wir haben uns das in der Gründungsphase von Sachsen-Leinen e.V. Anfang der 1990er Jahre deutlich einfacher vorgestellt.
Und doch: Der Prozess ist in Gang gekommen und er lässt sich nicht mehr aufhalten.
Im Süden von Leipzig wird bei der FUSE GmbH intensiv an der Inbetriebnahme einer Langfaserlinie gearbeitet. Ziel ist die Vermarktung hochwertiger, textilfähiger Langfasern. Das dabei anfallende Nebenprodukt Werg wird zu High-Tech-Halbzeugen für technische Anwendungen weiterveredelt.
Im mittelsächsischen Roßwein wurde durch die FARMHUS GmbH ein neues Ernteverfahren zur Gewinnung feldentholzter Hanffasern für textile Anwendungen weiter in Richtung Marktreife entwickelt.
Südlich von Halle konnte die Hanffaser Geiseltal e.G. den Baustart einer Aufschlussanlage für hanfbasierte Baustoffe vermelden, mit geplanter Produktionsaufnahme 2026.
Und im thüringischen Vogtland hat die Vogtlandfaser GmbH ihre Hanffaserproduktion weiter ausgebaut- inklusive Exporten bis nach Asien.
Als Verein blicken wir außerdem auf einen erfolgreichen Vorversuch zur Gewinnung von Biofaserleinen zurück, den wir mit freundlicher Unterstützung von Marc O'Polo SE umsetzen konnten.
Dieser Versuch hat uns ermutigt, bei der Bundesumweltstiftung ein konkretes Forschungsprojekt zu starten, in dem neuartige mechanische Verfahren zur Unkrautbekämpfung im Bioleinenanbau untersucht werden.
Ergänzend haben wir im Herbst einen Versuch zum Anbau von Winterleinen begonnen.
Auch das Thema Schafwolle bleibt in Mitteldeutschland präsent. Mit unserer Machbarkeitsstudie Sachsenwolle schaffen wir die Grundlage für den langfristigen Aufbau einer regionalen Schafwollindustrie. Besonders wichtig ist uns dabei die enge Zusammenarbeit mit Partnern in Thüringen.
All diese zukunftsweisenden Aktivitäten stehen allerdings in einem wirtschaftlichen Umfeld, das Anlass zur Sorge gibt.
Die Lage der deutschen Industrie wirkt vielerorts orientierungslos - der rote Faden scheint verloren gegangen zu sein.
Lasst uns ihn wieder aufnehmen.
Und daraus ein grünes Netz weben: aus vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die Märkte für nachhaltige, hochwertige Produkte erkennen und mit innovativen Lösungen füllen.





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